Taomi – Ab ins Dschungelcamp

Eine kleine Horrorgeschichte.

Ein junges Paar, in der Blüte ihres Lebens, voller Tatendrang und Abenteuerlust, bereisen die Welt. Sie fahren mit der Eisenbahn durch Russland, schlafen bei Mongolen und streifen quer durch China, Japan und Südkorea.
Dann kommen sie nach Taiwan. Auch hier scheint alles völlig harmlos abzulaufen. Bis sie sich für einen Aufenthalt in Taomi entscheiden. Um ihr Budget zu schonen buchen sie eine billige Unterkunft über Airbnb. Nur zwei Nächte, nur 20€. Die eine Bewertung ist voll des Lobes.

Mit dem Bus machen sie sich auf und ehe sie sich versehen, stehen sie irgendwo an einer Haupstraße an der falschen Bushaltestelle. Zu weit, raunzt uns der Busfahrer noch nach, also Seitenwechsel und wieder zurück. Bis ein Bus kommt hat ein alter Mann, der mit einer noch ältere Frau bei der Haltestelle sitzt, erbarmen mit uns und fährt uns mit seinem Auto zurück. Am Family Mart steigen wir aus, das letzte Stück gehen wir zu Fuß. Per WhatsApp haben wir eine Wegbeschreibung erhalten. Danach ist der Kontakt abgebrochen. Weitere Fragen blieben unbeantwortet.

Etwas außerhalb vom Dorf, da wo der Dschungel beginnt steht das Haus. Mehr Rohbau oder viel mehr eine zusammengeschusterte zweistöckige Baracke steht uns gegenüber. Was zum Henker? Da sollen wir für die nächsten zwei Nächte schlafen? Kein Mensch ist hier, auch nicht der Besitzer. Keine Schlüsselübergabe ist nötig, denn es gibt überhaupt keine Türen. Auch fast keine Wände oder Fenster.
Wir gehen am PooPoo Häuschen vorbei und sind bereit uns in den 1. Stock zu begeben. Im Parterre teilt sich der Sperrmüll wie damals das rote Meer und wir laufen hindurch und nach zögerlichem Überprüfen der Treppe sind wir eine Etage höher.

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Auf der einen Seite noch mehr Sperrmüll, auf der anderen Seite die Küche. Wir dürfen gerne kochen hat man uns geschrieben, nur nichts dreckig machen. Haha, da hätten wir eher Angst aus Versehen etwas sauber zu machen.
Einen Stock gibt es noch, den wo wir schlafen werden. Augen zu und durch, nein besser nicht. Augen auf und Achtung, die Treppe hat Lücken und auch sonst stehen zu viele Stolperfallen rum.
Matratzen liegen am Boden, darauf Schlafsäcke und das alles eingepackt in Zelten aus Moskitonetzen (inkl. Löcher). Wir lachen etwas. So fangen doch Horrorfilme an, sollte das etwa unsere letzte Nacht sein? Oder noch perfider, man lässt uns die erste Nacht in dieser Bruchbude im Dschungel zittern und kaum schlafen, aber überleben und erledigt uns dann in der zweiten. Gnadenlos.

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Na gut, wir haben es heil überstanden aber wir habe kaum geschlafen. Unbekannte Dschungelgeräusch sind echte Schlafstörer. Überhaupt ist ein unabschließbares Haus ohne Türen, Wänden und Fenster, das in einem scheiss Dschungel steht, kein Quartier welches man länger als eine Nacht beziehen möchte. Wie gut, dass wir zwei Nächte da waren.

Tagsüber habe wir uns in der einzigen Attraktion im Dorf aufgehalten, dem Paperdome. Es gab WiFi, den Eintrittspreis von 100 NTD (€ 2,75) konnte man in der Bar gegen Essen und Getränke tauschen und das Beste, man war unter Menschen.

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Was man noch machen kann, es gibt einen Wanderweg zu einem Wasserfall. Der Weg dahin wäre verdammt weit gewesen, hätte nicht ein Mann mit seinem Kleinlastwagen neben uns gehalten und uns auf der Ladefläche mitgenommen, wir hätten sicherlich irgendwann kapituliert.
So machten wir uns mühelos auf in den Dschungel, auf schon länger nicht mehr bewanderten Wegen und kamen irgendwann zu einem Fluss, der sich idyllisch zwischen Palmen und Farnen durchwindet.

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Zurück nahmen wir dann einen deutlich besseren Weg. Dort gibt es einen Teebauern der uns erstmal eine Tasse Tee einschenkte, ging aufs Haus. Zufällig standen auch zwei Taiwanesische Wanderer dort und um es kurz zu machen, sie nahmen uns in ihrem Auto zurück nach Taomi mit und liesen uns am alt bekannten Family Mart raus. Das läuft ja wie geschmiert, Zufall muss der Mensch haben.

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Die letzten Stunden bevor es Abend wird verbringen wir noch in unserer Schutzzone beim Paperdome. Wir geben Freunden Bescheid, falls sie in ein paar Tagen nichts mehr von uns hören, sollen sie Hilfe holen oder uns rächen. Um kurz nach 17 Uhr ist es dann wieder soweit, unser Dschungelcamp wartet, bevor es dunkel wird kehren wir zurück. Wir kochen wieder Spaghettis und halten uns mit Musik bei Laune. Die zweite Nacht kommt einem noch länger vor, mit neuen Dschungelgeräuschen. Wir bauen Fallen auf den Treppen und legen das Taschenmesser nebens Kopfkissen. Esoterische Schutzmaßnahmen eben, für ein klein wenig Sicherheitsgefühl.

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Der nächste Morgen, ein Vogel fliegt ins Zimmer und schreit uns aus einer der kurzen Schalfphasen. Was für ein glücklicher Tag, so schön war es noch nie, den Rucksack umzuschnallen und Lebwohl zu sagen.

Hinterhof unserer Unterkunft, mit Bühne und daneben verläuft ein kleiner Fluss. Dort konnten wir uns waschen.

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Auf dass es nie eine Fortsetzung dieses Horrofilms geben wird.

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8 comments on “Taomi – Ab ins DschungelcampAdd yours →

    1. Das war echt nicht ohne und dann noch zwei Nächte da drinnen. Keine Ahnung was uns da geritten hat 😀

    1. Klingt spannend, war echt heavy
      Aber gut, wenn wir dieses hoffentlich einmalige Erlebnis, so rüberbringen konnten.
      Liebe Grüße,
      Judith und Alex

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