Hamburg – Zum Abschied sag leise Ahoi!

Es gibt Bücher, die sind so spannend, so gut erzählt, dass man sie seitenweise verschlingen möchte. Man kann sie kaum aus der Hand geben, vergisst die Zeit um sich herum, ist vollkommen in die Welt versetzt, welche die Worte auf dem Papier beschreiben und im Kopf lebendig werden lassen.
Zeile um Zeile, Blatt um Blatt arbeitet man sich in der Geschichte voran, taucht tiefer ein, lernt Charaktere kennen, freut und leidet mit ihnen, hofft, bangt, lacht und manchmal, wenn es der Erzähler wirklich gut hinbekommt, wird einem ganz warm ums Herz oder ganz mulmig zumute.
Sind es zu Beginn noch hunderte von Seiten und mehrere Kapitel die darauf warten, zu Bildern im Kopf zu werden, scheint die Geschichte da noch für ewig weiter gehen zu können, endet sie dann doch schneller als einem lieb ist. Als hätte man ab der Hälfte die restlichen Seiten zwischen Daumen und Zeigerfinger genommen, zusammengepresst und in Hochgeschwindigkeit durchgeblättert. Am Ende nochmal das Lesetempo verlangsamen, rauszögern was geht. Nur noch wenige Zeilen bleiben, ehe man Abschied von Geschichte und Charakteren nehmen muss, die einen über Stunden und Tage in ihren Bann gezogen haben.

Auch bei uns ist es bald soweit, das letzte Kapitel unserer Weltreise wird in Kürze beendet sein. Wir schließen den Kreis und kehren dorthin, von wo aus dieses Abenteuer vor knapp einem Jahr begonnen hat. Aber bevor wir wieder in Meran aufschlagen, wird hier nochmal schön das Tempo rausgenommen und fünf Tage in der wunderbaren Hansestadt Hamburg verbracht!

20.06.2016 – Noch 5 Tag

„Ein Schiff läuft aus. Meine Sehnsucht zieht’s ein Stück weit mit raus“
Rantanplan – Schweinesand

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Wir haben wieder europäisches Festland unter den Füßen. Ein Kissen und ein Bett unterm Körper wäre uns jetzt allerdings noch viel lieber. Der Nachtflug von Island nach Hamburg war wenig erholsam und genauso sehen wir auch aus, als wir um 6 Uhr morgens am Gepäckband auf Rucksäcke und Koffer warten.

Ausreise, Einreise und Visum
Keine Passkontrolle, keine Fingerabdrücke, kein Anstehen für einen Stempel, danke Schengen, wunderbar! Und Judith wurde dieses Mal auch nicht extra zur Sprengstoffkontrolle rausgewunken.

Ist ja günstig hier
Bevor wir irgendwas machen können, brauchen wir erst noch Frühstück. In der Ankunftshalle gibt es einen Bäcker und daneben einen kleinen Supermarkt. Alles wieder auf deutsch, alle Lebensmittel so vertraut und verdammt, ist es hier günstig. Die Vorfreude auf einen ordentlichen Einkauf wächst und dann die Brottheke. Unendlich viele Sorten, mit knusprigen Krusten, von dunkel bis hell ist alles dabei. Brotparadies Deutschland.

Die Unterkunft
Fünf Nächte verbringen wir in der Nähe der S-Bahn Station Alte Wöhr, die etwas ausserhalb vom Zentrum liegt. Die AirBnB Wohnung ist super gemütlich, schön hell, kleine Küche, Bad und ein großes Schlafzimmer mit TV und schnellem WiFi.
Für das Unterkunftsdesaster in Sydney hat uns AirBnB einen € 50,- Gutschein spendiert und so haben wir pro Nacht € 35,40 bezahlt.

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Unser Rhythmus ist wegen des 24 Stunden hellen Tag auf Island komplett im Arsch und so fallen wir erstmal für mehrere Stunden ins Bett, ehe wir im 10 Minuten entfernten REWE einen Einkaufswagen ordentlich füllen, um danach sofort nochmal in den Tiefschlaf zu fallen.

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21.06.2016 – Noch 4 Tage

12 Uhr Mittages und wir liegen immer noch im Bett. Wie lange hatten wir das nicht mehr? Es ist ewig gemütlich hier und wisst ihr was? Wir haben keinen Drang uns unbedingt was ansehen zu müssen! Wir waren schon Mal in Hamburg, kennen also schon die Touristenorte die man sich so ansehen sollte und lassen es dieses Mal ganz ruhig angehen.

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Ein Abstecher auf die Reeperbahn geht aber immer, uns so finden wir uns wenig später auf der sündigen Meile, mit Kneipen die wohlklingende Namen tragen wie die Ritze.

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22.06.2016 – Noch 3 Tage

„Du hast nur dies eine Leben. Wenns vorbei ist, ists vorbei.“
Die Ärzte – Vorbei ist vorbei

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Tickets sind gedruckt, es kann los gehen! Heute werden wir uns das Dungeon Hamburg ansehen. Ein Gruseltheater mit mehreren Räumen und Schauspielern, die einem die dunkle Geschichte Hamburgs mit Effekten und Schrecken näher bringen wollen. Das grauenhafteste dabei, dass man zum Mitmachen rausgeholt wird.
Am besten waren die letzten beiden Räume, die ganz gut gemacht waren. Ansonsten hatte wir auf Taiwan eine ganz andere Horrorerfahrung im Dschungel.
Der Spaß kostet € 17,40 pro Person, kann man machen, muss man aber nicht.

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23.06.2016 – Noch 2 Tage

Abhängen in der Schanze, Astra Trinken und bei 30° C im Schatten schwitzen und sich des Lebens freuen und etwas wehmütig an den isländischen Sommer denken, der bei 13° C angenehm frisch war.

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Wir standen bestimmt schon 5 Mal davor nun sitzen wir auch endlich in ihr, der Ritze. Trinken Bier und dürfen einen Blick in den legendären Boxkeller werfen.

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24.06.2016 – Noch 1 Tag

„Er war ein Mann aus Schwarz und Weiß. Und sie war Farbe. All seine Farbe.“
Fredrik Backman – Ein Mann Namens Ove

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Der letzte Tag ist angebrochen. Was sollte man am letzten Tag einer Weltreise machen, unserer Weltreise? Feiern, trauern? Wir entscheiden uns fürs nichts machen. Fühlt sich auch gar nicht so an, wie ein Ende von etwas, das ein Jahr unser Leben war. Fast wie zu Beginn, als wir in München im Englischen Garten saßen, unsere Füße in den Bach hielten und es sich nicht annähernd so anfühlte, wie ein Anfang von etwas so langem, so besonderem.
Es gibt fast keine sich wiederholenden Routinen, keinen Alltag der sich einschleichen könnte und in den Autopilotenmmodus kommt man erst gar nicht bei den ständig wechselnden Gegebenheiten. Der graue Alltagstrott, wurde jeden Tag mehr und erneut durch Farbakzente gespickt, wir haben ihn hinter uns gelassen, uns voll und ganz dem Reisen und Neuem hingegeben.

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In wenigen Stunden ist es soweit, mit dem Zug werden wir zurück nach Hause fahren und somit unsere Reise, einmal um die Welt beenden. Aufregend? Ja. Fast noch aufregender wie damals als es los ging. Ein Kapitel endet, eine neues beginnt. Eine Reise endet, das Leben geht weiter. Bald werden wir auch noch eine Antwort auf letzte Frage eines Langzeitreisenden bekommen: was fällt schwerer, der Abschied oder die Heimkehr?

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